Albrecht Dürer
Er brachte die italienische Renaissance nach Deutschland – und machte die Druckpresse zu einem Medium der bildenden Kunst.






Stil und Technik
Dürer war der erste Druckgrafiker, der den Malern als ebenbürtig galt, und er war der erste Künstler diesseits oder jenseits der Alpen, der das Selbstbildnis zu einem ernst zu nehmenden Sujet machte. Beides hängt zusammen. Er war im Innersten ein besessener Selbstvermarkter, der begriff, dass der Druck – schnell, billig, vervielfältigbar – seinen Namen quer durch Europa tragen konnte, wie es die Malerei allein nicht vermochte. Er hob sowohl den Holzschnitt als auch den Kupferstich aus dem Handwerk heraus zu Trägern bildender Kunst und signierte jeden Druck mit seinem berühmten Monogramm AD.
Vier Erkennungsmerkmale machen einen Dürer unverwechselbar.
Eine erstaunlich präzise Linie. Ob er Kupfer sticht oder mit der Feder zeichnet, Dürers Linie ist haarfein, vollkommen kontrolliert und packt das Detail in nahezu mikroskopischer Dichte. Tritt man nahe an einen seiner Stiche heran, entdeckt man Texturen – Fell, Federn, Rinde, Stein –, die in Zehntausenden von Kreuzschraffuren wiedergegeben sind.
Selbstbewusste Selbstporträts. Im Lauf seiner Laufbahn malte er mindestens drei förmliche Selbstbildnisse, jedes ehrgeiziger als das vorige. Das Münchner Selbstbildnis von 1500 zeigt ihn in Dreiviertelansicht mit langem, gelocktem Haar, in einer Frontalpose, die zuvor Christusbildern vorbehalten war – ein bewusster, leicht blasphemischer Anspruch auf die Würde des Künstlers.
Nordische Detailgenauigkeit trifft italienische Theorie. Er reiste zweimal nach Italien (1494–95 und 1505–07), studierte Mantegna und Bellini, kehrte heim und versuchte, die italienische Lehre von der idealen Proportion auf die akribische Detailtreue der nördlichen Tradition aufzupfropfen. Das Ergebnis ist auf einen Blick erkennbar – Figuren mit klassischen Posen, aber nordischen Gesichtern, in Landschaften voller deutscher Bäume und alpiner Dörfer.
Aquarellierte Landschaften. Auf seinen Reisen entstanden kleine aquarellierte Landschaftsstudien – ein Tiroler Tal, ein Steinbruch, ein Hase, ein Stück Rasen –, die im Grunde die ersten eigenständigen Aquarelle der westlichen Kunst sind. Sie waren nicht für den Verkauf oder die Ausstellung gedacht; er fertigte sie, weil er ein arbeitender Zeichner war, der sehr genau hinsah.
Leben und Vermächtnis
Albrecht Dürer wurde am 21. Mai 1471 in Nürnberg geboren, das dritte von achtzehn Kindern eines aus Ungarn stammenden Goldschmieds. Die meisten seiner Geschwister starben im Kindesalter. Die Werkstatt der Familie bildete ihn von Jugend an aus – die Lehre eines Goldschmieds ist im Grunde die eines Zeichners im Kleinen, und sie legte das Fundament für seine lebenslange Präzision mit Grabstichel und Feder. Sein erstes erhaltenes Selbstbildnis schuf er mit dreizehn Jahren – eine Silberstiftzeichnung, die heute in der Albertina in Wien aufbewahrt wird – und sie ist bereits bemerkenswert reif.
Mit fünfzehn wechselte er in die Werkstatt des Malers Michael Wolgemut, des damals führenden Nürnberger Holzschnittproduzenten. Wolgemut hatte gerade die berühmte *Schedelsche Weltchronik* illustriert – eine gedruckte Weltgeschichte mit 1809 Holzschnitten, das ehrgeizigste bis dahin überhaupt erschienene Buch. Dürer lernte bei Wolgemut den Holzschnitt und steuerte fast sicher selbst – anonym – Schnitte zur Chronik bei.
1490 brach er zu den üblichen deutschen *Wanderjahren* auf, seiner Gesellenwanderung. Vier Jahre lang zog er von Stadt zu Stadt – Straßburg, Basel, vermutlich auch Colmar, wo er Martin Schongauer zu treffen gehofft hatte, den großen deutschen Kupferstecher, der ihn als Knaben begeistert hatte (Schongauer war kurz vor Dürers Ankunft gestorben). 1494 kehrte er nach Nürnberg zurück, heiratete auf Veranlassung seines Vaters Agnes Frey (die Ehe scheint eher distanziert als warm gewesen zu sein) und brach beinahe sofort wieder auf – diesmal nach Italien.
1495 wieder in Nürnberg, begann er Druckgrafik in rasantem Tempo zu produzieren. Die Holzschnittfolge der Apokalypse von 1498 – fünfzehn großformatige Blätter zur Offenbarung des Johannes – wurde europaweit zum kommerziellen Erfolg. Dürer verlegte sie selbst, vertrieb sie über Agenten in zahlreichen Städten und machte ein Vermögen. Es war das erste gedruckte Buch, in dem der Künstler (nicht der Verleger) Hauptautor und Inhaber der Rechte war. Um 1500 war er der berühmteste Künstler Nordeuropas und mit ziemlicher Sicherheit auch der wohlhabendste deutsche Maler seiner Zeit.
1505 reiste er für zwei Jahre erneut nach Italien, diesmal überwiegend nach Venedig. Man behandelte ihn dort wie einen Star. Der venezianische Maler Giovanni Bellini, damals in seinen Achtzigern, bat ihn um eine Begegnung und ließ sich, der Anekdote nach, den Pinsel zeigen, mit dem Dürer Haare so fein zu malen verstand. (Als Dürer ihm einen ganz gewöhnlichen Pinsel reichte, soll Bellini fassungslos gewesen sein.) Dürer schrieb seinem Freund Willibald Pirckheimer nach Hause, in Venedig werde er „wie ein Edelmann“ behandelt, geschätzt für seinen Geist statt für seine Zunftzugehörigkeit.
1512 bestellte Kaiser Maximilian I. eine Reihe gewaltiger Propagandadrucke zur Verherrlichung seiner Herrschaft – die *Ehrenpforte* und den *Triumphzug*, beide von Dürer entworfen und in Auflagen von Hunderten von Bögen gedruckt, die zu wandgroßen Collagen zusammengefügt wurden. Sie zählen zu den größten je entstandenen Holzschnittkompositionen.
1520 reiste er in die Niederlande, um die Verlängerung seines Jahrgeldes unter Maximilians Enkel, dem neuen Kaiser Karl V., auszuhandeln. Er führte ein akribisches Reisetagebuch, das fast vollständig erhalten ist. Darin notiert er die Begegnung mit Erasmus, die Krönung Karls V. in Aachen und – ganz typisch – jede Mahlzeit, die er aß, und jede Münze, die er ausgab. Auf dem Rückweg durch die Sümpfe Zeelands glaubte er, einen gestrandeten Wal gesehen zu haben, und machte einen großen Umweg, um ihn zu finden; dort zog er sich ein Fieber zu, von dem er sich nie wieder vollständig erholte.
Die letzten Jahre seines Lebens waren von seinen theoretischen Schriften beherrscht. Er verfasste Traktate über die Messung, über Befestigungen und vor allem über die menschliche Proportion – das letzte blieb bei seinem Tod unvollendet und erschien postum 1528. Er hatte das italienische humanistische Vorhaben, mathematische Regeln für den idealen menschlichen Körper zu finden, in sich aufgenommen und versuchte, es für ein nördliches Publikum zu systematisieren.
Er starb am 6. April 1528 in Nürnberg im Alter von 56 Jahren an den Spätfolgen des in Zeeland zugezogenen Fiebers. Er hatte keine Kinder. Seine Witwe Agnes lebte noch zehn Jahre und ernährte sich vom Verkauf der Drucke aus dem Bestand ihres Mannes. Sie ist neben ihm im Johannisfriedhof in Nürnberg bestattet, in einer Grabstätte, die noch heute steht und Jahr für Jahr von Tausenden Kunstliebhabern besucht wird.
Fünf berühmte Gemälde

Selbstbildnis im Pelzrock 1500
Gemalt im Jahr 1500, als Dürer 28 wurde. Er zeigt sich frontal – das Haar fließt in langen Ringeln herab, die Hand ist zur Kehle erhoben in einer Geste, die direkt mittelalterlichen Christusbildern entlehnt ist. Die Pose war 1500 eine bewusste Provokation: Frontalporträts waren fast ausschließlich heiligen Bildern vorbehalten. Dürer signiert das Bild mit seinem AD-Monogramm und der Inschrift „So habe ich, Albrecht Dürer aus Nürnberg, mich selbst mit beständigen Farben gemalt, im Alter von 28 Jahren“ – ein Anspruch auf den Künstler als eine Art weltlichen Heiligen, hart an der Grenze zur Blasphemie. Das Gemälde hängt in der Alten Pinakothek in München und ist das meistreproduzierte seiner drei förmlichen Selbstbildnisse.

Adam und Eva 1507
Zwei Öltafeln, jede etwa 209 × 81 cm, im Prado nebeneinander hängend. Gemalt unmittelbar nach Dürers Rückkehr von seiner zweiten Italienreise, sind sie seine ersten lebensgroßen Akte und eines der ersten lebensgroßen Adam-und-Eva-Paare in der nordeuropäischen Malerei. Er behandelt den menschlichen Körper als italienisch-renaissancehaft idealisierte Form: Adam übernimmt seine Pose vom Apoll vom Belvedere, den Dürer aus Drucken kannte; Eva steht im klassischen Kontrapost, das Gewicht auf einem Bein, das andere entspannt. Doch er baut sie in nordischer Öllasur auf, mit einer Präzision, die kein Italiener erreichen konnte – jedes Haar, jedes geäderte Blatt, jede Spiegelung auf den Äpfeln ist mikroskopisch gemalt. Die weiße Kartusche am Ast hinter Eva ist auf Latein signiert: Albertus Durer alemanus faciebat post virginis partum 1507 – Dürer beansprucht seinen Platz neben den Italienern und kündigt sich zugleich trotzig als Deutscher an.

Feldhase 1502
Eine kleine, 1502 datierte und signierte Aquarell- und Deckfarbenstudie eines braunen Feldhasen, etwa 25 mal 23 cm. Das Fell ist mit Tausenden einzelner Striche in Deckfarbe wiedergegeben; im Auge spiegelt sich ein Fenster mit Sprossenkreuz (das Atelier, in dem Dürer sich befand). Der Hase selbst wird mit jenem Ernst behandelt, den italienische Renaissance-Maler den Göttern entgegenbrachten. Das Aquarell war kein Auftrag – Dürer schuf es für sich selbst, und es blieb bis zu seinem Tod in seinem Atelier. Heute hängt es in der Albertina in Wien und ist mit weitem Abstand die berühmteste seiner Naturstudien.

Selbstbildnis mit 26 1498
Öl auf Holz, 52 × 41 cm, Prado. Das erste Selbstbildnis der westlichen Malerei, in dem sich der Künstler unmissverständlich als Herr von Stand zeigt, nicht als arbeitender Handwerker. Dürer trägt italienische Mode – ein gestreiftes Seidenwams, feine Glacéhandschuhe lässig auf der Brüstung, das gewellte Haar an der Wange –, nachdem er im Jahr zuvor von seiner ersten Venedig-Reise zurückgekehrt war. Durch das Fenster hinter ihm erheben sich die Alpen, die er auf einem Maultier überquert hatte, über einem kleinen Ort. Die Inschrift oben rechts datiert das Werk auf 1498 und gibt sein Alter mit sechsundzwanzig an; signiert ist es mit dem berühmten AD-Monogramm, das er auf seinen Drucken einzusetzen begonnen hatte. Das Porträt ist eine leise Erklärung: Ein junger Meister beansprucht für den Maler einen gesellschaftlichen Rang, den die deutsche Tradition ihm noch nicht zugestehen wollte.

Die vier Apostel 1526
Dürers letztes großes Gemälde, 1526 vollendet und von ihm dem Rat der Stadt Nürnberg zum Geschenk gemacht. Zwei große Tafeln, jede etwas mehr als zwei Meter hoch, zeigen Paare von Aposteln und Evangelisten – Johannes und Petrus auf der einen, Markus und Paulus auf der anderen Tafel. Die Figuren sind schwer, monumental, gezeichnet mit dem Interesse des Spätwerks an der klassischen Proportion. Die Farben sind verhalten. Unter den Figuren stehen Passagen aus den Schriften jedes Heiligen, in einer von Dürer selbst gewählten deutschen Übertragung – die Stadt war inzwischen offiziell lutherisch, und Dürer hatte mit Nürnberg den Schritt zur Reformation mitvollzogen. Die Tafeln befinden sich heute in der Alten Pinakothek in München, nachdem sie 1627 vom bayerischen Kurfürsten aus Nürnberg erworben wurden.



