Caspar David Friedrich

Stil
Klassizismus / Romantik
Zeitraum
1774–1840
Nationalität
German
Im Quiz
17 Gemälde
El monje junto al mar by Caspar David Friedrich (1810)
El mar de hielo by Caspar David Friedrich (1824)
Las etapas de la vida by Caspar David Friedrich (1835)
El árbol solitario by Caspar David Friedrich (1822)
Neblina matinal en las montañas by Caspar David Friedrich (1808)
El gran coto by Caspar David Friedrich (1832)

Stil und Technik

Friedrichs zentrale Erfindung ist die Rückenfigur: die von hinten gesehene Gestalt. In einem Gemälde nach dem anderen steht ein Mensch — klein, anonym, das Gesicht verborgen — am Rand einer weiten Landschaft und blickt in sie hinein. Der Betrachter schaut ihr über die Schulter. Kein Gesicht ist zu lesen, kein Ausdruck zu deuten, nur der Rücken und die Welt dahinter. Wir identifizieren uns vollkommen mit dieser namenlosen Figur, weil wir so positioniert sind, dass wir sehen, was sie sieht.

Das war eine formale Antwort auf ein philosophisches Problem. Friedrich glaubte, Landschaft sei nicht bloß Kulisse, sondern geistiges Erlebnis — dass das Stehen vor dem Meer, den Bergen oder einer alten Ruine eine Form der Begegnung mit dem Unendlichen sei. Malerei, so meinte er, könne diese Begegnung im Betrachter auslösen, aber nur wenn der Betrachter richtig im Bild positioniert werde. Die Rückenfigur schafft genau diese Position.

Sein Licht ist anders als das jedes anderen Landschaftsmalers. Es ist nicht Constables warmes englisches Mittagslicht und nicht Turners gasförmige atmosphärische Auflösung. Es ist kalt, präzise, nordisch — das graue Licht der Ostseeküste im Morgen- oder Abendrot, das Blau eines Himmels, der sich nach Schneefall aufhellt, das besondere Bernsteingelb des Winternachmittagslichts über dunklen Kiefern.

Ruinen tauchen in seinem Werk beständig auf — vor allem gotische Ruinen, die für die deutschen Romantiker eine bestimmte symbolische Aufladung trugen. Eine verfallene gotische Kirche stand für die Vergänglichkeit menschlicher Schöpfungen angesichts der Beständigkeit der Natur, den Ablauf der Zeit, die Sterblichkeit alles von Menschenhand Gemachten.

Vier Merkmale kennzeichnen seine Gemälde: die winzige Menschenfigur vor weitem Himmel oder Wasser, die genaue und geduldige Darstellung von Bäumen, besonders Kiefern und Eichen, ein kühles, graublaues Dominantlicht und das Gefühl, dass in der Landschaft gerade etwas geschehen ist oder gleich geschehen wird — ein Sonnenaufgang kündigt sich an, ein Sturm zieht ab, eine Figur steht kurz davor, über den Rand zu schreiten.

Leben und Vermächtnis

Friedrich wurde am 5. September 1774 in Greifswald geboren, einer Küstenstadt in Schwedisch-Pommern — dem heutigen Norddeutschland. Seine Kindheit war von Verlusten geprägt: Die Mutter starb, als er sieben Jahre alt war; mit dreizehn musste er mit ansehen, wie sein Bruder Johann beim Versuch, Caspar zu retten, durch das Eis eines zugefrorenen Sees brach und ertrank. Die Schuld an jenem Unglück hat ihn wohl nie ganz losgelassen.

Er studierte Kunst zunächst in Greifswald und dann an der Kopenhagener Akademie, einer der besten Kunstschulen Nordeuropas jener Zeit, von 1794 bis 1798. Kopenhagen schenkte ihm zeichnerische Präzision und einen strengen Zugang zur Komposition, doch seine geistige Prägung war entschieden deutsch — die romantische Philosophie Schellings, die protestantische Theologie seiner pommerschen Kindheit und vor allem die Landschaft selbst: die Ostsee, die flachen Niederungen, die Kreideküste.

1798 zog er nach Dresden und lebte dort bis an sein Lebensende. Dresden war damals ein Zentrum des deutschen romantischen Geisteslebens — Philosophen, Dichter und Maler kamen hier zusammen, und Friedrich fand sich mitten in einem Gespräch über die spirituellen Dimensionen der Kunst wieder, das genau seinen eigenen Überzeugungen entsprach.

Seinen Durchbruch erlebte er 1808, als er in seinem Atelier das 'Kreuz im Gebirge' ausstellte — bekannt als Tetschener Altar. Das Bild zeigt ein Kruzifix auf einem Berggipfel bei Sonnenuntergang, gerahmt von einem gemalten gotischen Bogen. Es war als Altarbild gedacht, sein Sujet war jedoch eine Landschaft, keine religiöse Erzählung, was heftige Debatten auslöste. War Landschaft als Altarmotiv angemessen? Behauptete Friedrich damit, die Natur selbst sei göttlich? Diese Fragen beantwortete er nie vollständig, stellte sie aber immer weiter.

Er heiratete Caroline Bommer 1818 im Alter von dreiundvierzig Jahren; sie war fünfundzwanzig. Sie hatten drei Kinder. Seine Frau erscheint in mehreren seiner Gemälde als weibliche Figur, die aufs Meer oder in die Ferne blickt, und ihre Beziehung war offenbar von echter Wärme und Beständigkeit in einer ansonsten einsamen Laufbahn geprägt.

Er starb am 7. Mai 1840 in Dresden im Alter von fünfundsechzig Jahren, weitgehend vergessen. Sein Ansehen war in den 1820er und 1830er Jahren gesunken, als der deutsche Geschmack sich von der Romantik zu einer konventionelleren akademischen Malerei hin wandte. Erst zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts — durch die von Künstlern der Berliner Secession um 1906 organisierten Ausstellungen — wurde Friedrich als bedeutender Maler wiederentdeckt. Heute gilt er als die zentrale Figur der deutschen Romantik.

Fünf berühmte Gemälde

Der Mönch am Meer by Caspar David Friedrich (1810)

Der Mönch am Meer 1810

Eine kleine dunkle Gestalt — ein Mönch in schwarzer Kutte — steht an einem flachen Ufer. Der Himmel über ihm nimmt fünf Sechstel der Leinwand ein: ein kalter, graublauer, geschichteter Himmel mit dunklen Wolken am oberen Rand. Das Meer ist fast strukturlos. Kein Boot, kein Horizont-Detail, nichts für das Auge außer dem Mönch selbst und der kaum wahrnehmbaren Linie zwischen Meer und Himmel. Als das Werk 1810 in Berlin ausgestellt wurde, schrieb der Dichter Heinrich von Kleist, davor zu stehen sei wie das Verlieren der Augenlider — man konnte nicht wegschauen, doch gab es nichts Bestimmtes zu sehen. Es hängt in der Nationalgalerie in Berlin und gilt als eines der Schlüsselwerke der Romantik.

Das Eismeer by Caspar David Friedrich (1824)

Das Eismeer 1824

Auch bekannt als 'Das Gescheiterte Hoffnungsschiff', ist dies Friedrichs dramatischste und buchstäblich gewalttätigste Komposition. Ein Schiff — auf ein Rumpffragment reduziert — wird von riesigen eckigen Eisschollen zerquetscht, die durch den Druck des arktischen Frosts aufgetürmt worden sind. Das Eis dominiert: hausgroße Platten in steilen Winkeln, kaltweißblau in grauem Licht. Es gibt keine menschliche Figur. Das Schiff ist das menschliche Element — und es wird vernichtet. Friedrich dachte wohl an eine bestimmte Arktisexpedition, doch das Gemälde wirkt als allgemeines Bild für die Gleichgültigkeit der Natur gegenüber menschlichem Ehrgeiz. Es hängt in der Hamburger Kunsthalle.

Morgennebel im Gebirge by Caspar David Friedrich (1808)

Morgennebel im Gebirge 1808

Ein frühes Werk, das Berggipfel zeigt, die aus einem Meer von Morgennebel auftauchen. Ein gotisches Kreuz auf einer Klippe im Mittelgrund ist das einzige menschliche Element. Das Licht ist das spezifisch kalte Gold des frühen Morgens, bevor die volle Sonne den Nebel verbrennt. Das Gemälde zeigt Friedrichs grundlegendes kompositorisches Verfahren: ein Vordergrund aus dunklen, konkreten Details (die felsige Klippe, der knorrige Baum), ein Mittelgrund aus symbolischer Form (das Kreuz) und ein unendlicher Hintergrund aus Atmosphäre (Nebel, Himmel, der Hauch weiterer Gipfel). Es befindet sich in der Kunsthalle Bielefeld.

Die Lebensstufen by Caspar David Friedrich (1835)

Die Lebensstufen 1835

Nach Friedrichs Schlaganfall gemalt, als er nicht mehr frei in Öl arbeiten konnte. Fünf Schiffe in verschiedenen Abständen vom Ufer entsprechen fünf menschlichen Figuren am Strand in verschiedenen Lebensstadien — von den kleinen Kindern im Vordergrund bis zum alten Mann im Mittelgrund, dessen Rücken dem Betrachter zugewandt ist und der dem Horizont am nächsten steht, wo das größte Schiff entschwindet. Friedrich selbst ist wahrscheinlich der alte Mann. Das Bild ist eines seiner deutlichsten Allegorien und zugleich eines seiner persönlichsten: ein Künstler, dem der Tod naht, der den Schiffen beim Auslaufen zuschaut. Es hängt im Museum der bildenden Künste in Leipzig.

Abtei im Eichwald by Caspar David Friedrich (1819)

Abtei im Eichwald 1819

Ein Zug von Mönchen trägt einen Sarg durch die Ruinen eines gotischen Kreuzgangs in einer Winterlandschaft. Die Bäume sind kahle Eichen, deren strenge Silhouetten sich gegen einen kalten Abendhimmel kreuzen. Die Ruinenbögen der gotischen Kirche erheben sich im Hintergrund. Schnee bedeckt den Boden; einige Mönche stehen oder knien bei einem offenen Grab. Das Gemälde handelt vom Tod mit einer fast theologischen Direktheit, doch ist die Atmosphäre so kalt und präzise, dass es ins Sentimentale nicht abgleitet. Die Eichen — blattlos, massiv, uralt — sind so präsent wie die Mönche oder die Ruinen. Es hängt in der Nationalgalerie in Berlin, ausgestellt neben seinem Pendant 'Der Mönch am Meer'.